Miller-Fisher-Syndrom
Im folgenden
erhalten Sie eine Übersicht über das Miller-Fisher-Syndrom. Das
Miller-Fisher-Syndrom ist eine Variante des Guillain-Barré-Syndroms. Wenn
Sie mehr über das Guillain-Barré-Syndrom erfahren wollen, über
Ursachen, Diagnostik und Therapie der Krankheit bei akuten Auftreten,
schauen Sie auch auf unsere Internet-Seiten: Miller-Fisher-Syndrom – HistorischesDie Erkrankung, die heute als Guillain-Barré-Syndrom (GBS) bezeichnet wird, wurde bereits im 19. Jahrhundert beschrieben, die wichtige Arbeit der Namensgeber der Erkrankung erschien schließlich im Jahre 1916. Eine spezielle Verlaufsform wurde im Jahre 1956 vom Kanadier Miller Fisher beschrieben. Er fasste die Krankheitsverläufe von drei Patienten zusammen, die akut aufgetretene Lähmungen der Augenmuskulatur, eine Ataxie (Störung der Zielbewegungen) sowie ein Fehlen der Muskeleigenreflexe an Armen und Beinen aufwiesen. Ein Patient hatte zusätzlich eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Alle drei Patienten erholten sich spontan. Die von ihm beschriebene Variante wurde schließlich nach ihm benannt.
Miller-Fisher-Syndrom –
Symptomatik
Das
Miller-Fisher-Syndrom ist eine entzündliche Erkrankung von Nervenfasern.
Es ist eine Variante des Guillain-Barré-Syndroms (GBS). Anders als das
GBS, bei dem schwere Lähmungen der gesamten Körpermuskulatur bis hin zur
Bewegungsunfähigkeit auftreten können, entwickeln sich beim
Miller-Fisher-Syndrom Augenbewegungsstörungen, ein Verlust der Reflexe
der Muskulatur (Areflexie) und eine Störung der Zielbewegungen (Ataxie).
Durch die Störung der Augenbewegungen treten Doppelbilder auf. Die
Koordination, die dazu führt, dass die Bilder, die von beiden Augen
wahrgenommen werden, zu einem Bild zusammengefügt werden können,
versagt. Die Steuerung der Augenbewegungen ist nicht mehr exakt gegeben,
da die Impulse vom Hirnstamm über die erkrankten Nerven die Augenmuskeln
nicht oder nicht mehr vollständig erreichen.
Das
Fehlen der Muskeleigenreflexe bemerkt der Patient nicht als beeinträchtigend,
es hat keinen Krankheitswert. Zu den Muskeleigenreflexen zählt zum
Beispiel der sogenannte „Patellarsehnenreflex“, der durch Schlag auf
die Sehne unterhalb der Kniescheibe ausgelöst wird. Bestimmt haben Sie
dies auch einmal in Ihrer Kindheit ausprobiert. Bei übereinandergeschlagenen
Beinen zuckt der Unterschenkel bei Auslösen des Reflexes nach vorn.
Solche Reflexe kann man an fast allen Muskeln auslösen.
Weiter
besteht eine Störung der Zielbewegungen von Armen und Beinen, aber auch
des Rumpfes, also das Gleichgewicht betreffend.
Blasenfunktionsstörungen kommen zusätzlich bei jedem sechsten Patienten
vor.
Miller-Fisher-Syndrom -
Diagnostik
Bei
Auftreten von Augenmuskelstörungen muss neben dem Miller-Fisher-Syndrom
insbesondere an Erkrankungen des Hirnstamms, z.B. Schlaganfälle, also
Durchblutungsstörungen und Botulismus gedacht werden. Aus diesem Grunde
werden in der Regel zunächst Schichtuntersuchungen des Hirnstamms
durchgeführt, wenn verfügbar ein Kernspintomogramm (MRT) oder ein
Computertomogramm (CCT). Ultraschall-Untersuchungen der hirnversorgenden
Arterien schließen sich in der Regel an. Durch neurophysiologische
Untersuchungen lassen sich Hirnstammfunktionen untersuchen. Beispielsweise
lassen sich durch sogenannte evozierte Potentiale spezielle Nervenbahnen
überprüfen, an dieser Stelle sind die Nervenbahnen, die besonders gut
eine Schädigung des Hirnstamms anzeigen, sinnvoll. Günstig sind zum
Beispiel die AEP, die akustisch evozierten Potentiale. Sie werden
untersucht, indem über einen Kopfhörer Klicktöne geboten werden, die in
genau definiertem zeitlichem Abstand auftretenden Hirnströme werden
gemessen.
Darüber
hinaus werden insbesondere Elektroneurographie und –myographie sowie
Untersuchungen des Nervenwassers vorgenommen. Bei der Elektroneurographie
wird die Nervenleitung gemessen. Einerseits kann die Geschwindigkeit
gemessen werden, mit der der Nerv Impulse weiterleiten kann, andererseits
können sich Hinweise auf Leitungsblöcke, über die der Impuls nicht
weitergeleitet werden kann, ergeben. Die sogenannte F-Wellen-Technik lässt
mit dem gleichen Verfahren Aussagen über Leitungsstörungen in den
rumpfnahen Bereichen zu. F-Wellen kommen zustande, wenn ein Nerv
beispielsweise am Fußgelenk stimuliert wird. Der Impuls wird nicht nur
zum Fußmuskel weitergeleitet (Dauer bis zum Auftreten der Muskelzuckung
und Amplitude der Muskelzuckung werden gemessen), er wird auch Richtung Rückenmark
geleitet. In einem Teil der Nervenfasen läuft der Impuls von dort wieder
zum Muskel zurück und führt dort zu einer allerdings nicht mit dem Auge
zu sehenden Zuckung von Muskelfasern. Diese kann aber wiederum gemessen
werden durch die auf der Haut klebenden Elektroden. Das Fehlen dieser
F-Wellen ist oft das früheste Zeichen des Guillain-Barré-Syndroms, das
durch die Elektroneurographie erkannt werden kann. Bei der
Elektromyographie weisen Veränderungen des elektrischen Verhaltens der
Muskelfasern auf eine Schädigung der sie versorgenden
Nervenbahnen hin. Da diese Veränderungen aber in der Regel erst
nach etwa 14 Tagen festzustellen sind, können sie der Frühdiagnose in
der Regel nicht dienen.
Die
Untersuchung des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis) zeigt
typischerweise wie beim Guillain-Barré-Syndrom eine Zunahme des Eiweiß-Gehaltes,
aber keine oder nur eine geringe Vermehrung der dort nachweisbaren Zellen
(zytoalbuminische Dissoziation).
Im
Blut werden spezielle Antikörper gegen bestimmte Ganglioside
nachgewiesen. Beim Miller-Fisher-Syndrom lassen sich in etwa 80% der Fälle
Antikörper gegen das GQ1b-Gangliosid nachweisen. Weiter sind wegen der ursächlichen Nähe zum Guillain-Barré-Syndrom Untersuchungen der Herzströme (EKG) notwendig. Hier ist insbesondere auf Herzrhythmusstörungen zu achten. Ein Zeichen einer Beteiligung der Nervenfasern, die das Herz innervieren, ist eine Störung der Herzfrequenzvariabilität. Normalerweise wechselt die Dauer zwischen dem Auftreten zweier Herzschläge, wenn auch so gering, dass es durch das Messen des Pulses nicht erfassbar ist. Durch bestimmte Geräte kann diese Variabilität der Herzfrequenz aber einfach ermittelt werden. Ist diese normale Variabilität nicht mehr gegeben, ist die Dauer zwischen zwei Herzschlägen also starr, so weist das auf die Störung der Herzfrequenzvariabilität hin.
Miller-Fisher-Syndrom
– Ursachen und Auslöser Während das Guillain-Barré-Syndrom in etwa 60 – 70% zehn bis vierzehn Tage nach einer Infektionskrankheit auftritt, können solche Angaben zum Miller-Fisher-Syndrom nicht gemacht werden, es tritt zu selten auf, als dass solche Aussagen gesichert möglich waren. Wahrscheinlich geht aber auch dem Miller-Fisher-Syndrom oft ein Infekt voraus. Die Immunantwort, die sich zunächst gegen den Erreger und Auslöser des Infektes gerichtet ist, wendet sich, weil Teile des Erregers Bestandteilen der Nervenfasern ähnlich sind, schließlich gegen diese. Dadurch kommt es zu Funktionsstörungen der Nervenfasern. Meist tritt die Störung nur einmal auf, wiederholt sich nicht. Innerhalb weniger Wochen kommt es zur Rückbildung.
In
Japan macht das Miller-Fisher-Syndrom 25% der Guillain-Barré-Syndrome
aus, in den Vereinigten Staaten dagegen nur 1%.
Miller-Fisher-Syndrom –
Akut-Therapie
Die
Therapie des Miller-Fisher-Syndroms ist vom Verlauf abhängig. In Analogie
wird bei schweren Fällen entweder die Plasmapherese oder die Gabe von
Immunglobulinen durchgeführt. Eigene Untersuchungen für das
Miller-Fisher-Syndrom liegen zu diesen Therapien nicht vor, wohl aber
Einzelberichte in medizinischen Fachzeitschriften.
Die
Plasmapherese-Behandlung ist eine Art Blutwäsche, bei der Immunglobuline
und damit auch die für die Erkrankung verantwortlichen Antikörper aus
dem Blut im Austausch in der Regel gegen Albumin (Eiweiß) entfernt
werden. Es werden zwei bis vier Behandlungen durchgeführt.
Hinsichtlich des Guillain-Barré-Syndroms ist die intravenöse Gabe von Immunglobulinen ähnlich wirksam wie die Plasmapherese. Wegen der etwas geringeren Nebenwirkungsrate und der geringeren Belastung des Patienten werden in der Regel die Immunglobuline meist als Therapie erster Wahl angesehen. Intravenös gegebene Immunglobuline neutralisieren Antikörper und greifen hemmend in die Produktion von Antikörpern ein. Sie neutralisieren ebenfalls bakterielle und virale Antigene. Auch die Aktivität von Makrophagen, Zellen der Immunabwehr, wird vermindert.
Obwohl
es sich um eine Immunerkrankung handelt, ist beim Guillain-Barré-Syndrom
Kortison nicht geeignet, den Verlauf günstig zu beeinflussen. Nur eine
bisher nicht reproduzierte Untersuchung hatte gezeigt, dass Kortikoide in
der Kombination mit Immunglobulinen besser wirksam sind als Immunglobuline
alleine. Der Verlauf ist insgesamt günstig, eine gute Rückbildung der Störungen wird meist beobachtet.
Miller-Fisher-Syndrom –
Rehabilitation
Die
Behandlung ist am effektivsten bei einem interdisziplinär arbeitenden
Team aus Ärzten, Pflege, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden,
Psychologen und Sozialarbeitern. Im Mittelpunkt der Rehabilitation des
Miller-Fisher-Syndroms steht die Behandlung der Ataxie, die Störung der
Zielbewegungen. Durch Krankengymnastik lernt der Patient, Zielbewegungen
wieder genauer durchzuführen, im Zentrum der Arbeit der Physiotherapeuten
stehen dabei oft die Störungen des Stehens und Gehens. Störungen der
Feinmotorik und der Zielmotorik der Arme fallen in das Gebiet der
Ergotherapie. Hier ist eine enge Abstimmung der Therapien der
Krankengymnasten und Ergotherapeuten notwendig. Im Bereich der
Ergotherapie erfolgt bei schwerer betroffenen Patienten auch das Training
der Alltagsfunktionen, wie Anziehen, Waschen, Essen, etc.. Auch die
Hilfsmittelversorgung erfolgt in der Regel durch die Ergotherapeuten.
Zudem
ist ein Training der Augenmuskeln sinnvoll, dies kann durch
Computerprogramm erfolgen, bei denen trainiert wird, die Bilder beider
Augen wieder zur Deckung zu bringen.
Welche
weiteren Therapiefacetten zum Einsatz kommen müssen, hängt vom
speziellen Krankheitsbild des einzelnen Patienten ab.
Oft
ist zur Verbesserung der Krankheitsverarbeitung psychologische Unterstützung
notwendig, insbesondere wenn Patienten schwerer betroffen sind.
Miller-Fisher-Syndrom
– Sozialmedizinische
Aspekte
Ist es absehbar, das Residuen der Erkrankung zurückbleiben, ist die Unterstützung durch den Sozialdienst der Rehabilitationsklinik notwendig, beispielsweise um gemeinsam einen Schwerbehindertenausweis oder eine der Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung zu beantragen. Die Sozialarbeiter beraten und unterstützen bei diesen Problemen. Sie wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen sind. Auch bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit können wichtige Hilfestellungen gegeben werden.
Miller-Fisher-Syndrom
– Einleitung der stationären Rehabilitation
Stationäre
Behandlungsmaßnahme zur Rehabilitation erfolgen in der Regel nach der
Krankenhausbehandlung der akuten Erkrankung. Hier ist, insofern der
Patient noch im Arbeitsleben steht, der Rentenversicherungsträger, z.B.
BfA oder LVA, Kostenträger. Hat sich die Symptomatik nach der
Rehabilitation noch nicht vollständig zurückgebildet, sind ambulante
Therapien wie beispielsweise Krankengymnastik notwendig. Sollten dennoch
beeinträchtigende Folgezustände der Erkrankung zurückbleiben, kann eine
erneute stationäre Rehabilitation als sogenanntes Heilverfahren sinnvoll
sein.
Mit
einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen
wendet man sich an den zuständigen Kostenträger. Auch hierbei gilt, für
Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der Rentenversicherungsträger,
also BfA oder LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der
Arbeitsfähigkeit, ist die Krankenkasse anzusprechen. Ihr Team der Klinik Hoher Meissner
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